40 - Wie lang soll ein Spiel dauern?
40 - Wie lang soll ein Spiel dauern?
Aus meiner Sicht: So kurz wie möglich, wobei alle Aspekte des Spiels genug Zeit bekommen müssen, um sich gut anzufühlen.
Je länger ein Spiel dauert, desto mehr Probleme tun sich auf.
Sollte ein Spieler zu weit nach hinten rutschen, kann es schnell mal frustrierend sein, über längere Zeit keine Aussicht mehr auf den Sieg zu haben. Je länger ein Spiel dauert, desto eher muss man sich dann damit beschäftigen, eine Aufholmechanik einzubauen, um so etwas zu verhindern. Je mehr diese Mechanik ins Spiel eingreift, desto weniger belohnend fühlt es sich für Spieler an, einen Vorsprung herauszuspielen.
Dauert ein Spiel länger, findet man auch schwieriger Zeit dafür. Während ein 30-Minuten-Spiel fast bei jeder Gelegenheit ausgepackt werden kann, muss man für ein 4-Stunden-Spiel schon mal einen Nachmittag einplanen. Auch wenn sich so eine lange Spielrunde durchaus sehr episch anfühlen kann. Könnte man ebenso gut mehrere Spielrunden mit 2 Stunden Spieldauer spielen. Der Spieleabend wäre nicht weniger episch.
Auch wenn man die Zeit hat, hat man nicht immer Lust auf ein langes Spiel, und wenn man während so einer Spielrunde müde wird, kann sie sich noch mehr in die Länge ziehen.
Hier gab es noch 8 Runden in Magical Friends
Die Spieldauer möglichst kurz zu halten, ist also üblicherweise anzustreben. Sofern dann alle Spielmechaniken weiterhin Sinn ergeben.
Bei manchen Workerplacement-Spielen habe ich beispielsweise das Gefühl, dass die Spieldauer auf Kosten der Anzahl der Spielrunden verkürzt wird, gerade wenn man in den Runden genug Aktionen durchführen kann, um das Spiel interessant zu machen. Das Ganze hat jedoch manchmal zur Folge, dass Aktionen, die zwar kurzfristig schwächer sind, aber langfristig Boni bringen, nicht mehr sonderlich befriedigend sind, weil man die Boni nicht mehr oft genug bekommt. Häufig sind diese Boni dann überhaupt sehr schwach, wenn man sie nicht in der ersten Runde erreichen kann.
Die Spieldauer ist meist nicht leicht einzuschätzen. Spieler in unterschiedlichen Spielrunden spielen sehr unterschiedlich. Ein Spiel, das bei einer Gruppe 1,5 Stunden dauert, kann bei einer anderen 2,5 dauern. Genauso macht es einen Unterschied, ob es das erste oder das zehnte Spiel einer Gruppe ist und wie viele Spieler am Spiel beteiligt sind. Deshalb ist mir eine Spieldauer je Spieler lieber als eine generelle Zeitangabe.
Während man an seinem Spiel arbeitet, sollte man die Dauer immer im Auge behalten, denn es kann sich einiges am Spiel verändern.
Bei Magical Friends hatte ich anfangs 8 Runden festgelegt. Da in der ersten Runde etwas weniger passiert und man auch in der letzten Runde weniger Optionen hatte, waren die Runden dazwischen die, in denen die meiste Action passierte. 6 Runden waren dafür ideal. Auch die Tests mit 8 Runden liefen super. Mit der Zeit gab es ein paar Veränderungen, extra Regeln, um gegen Ende des Spiels noch einen Endspurt einzuleiten. Das hat das Spiel so weit verändert, dass die letzte Runde sogar zur spannendsten wurde.
Mittlerweile haben wir einige Spiele mit 7 Runden getestet und es fühlt sich nicht so an, als würde eine Runde fehlen, dennoch wird das Spiel dadurch kürzer.
Natürlich muss das Spiel mit weniger Runden auch häufig getestet werden, denn das Balancing mancher Kreaturen kann sich dadurch verändern. Manchmal wirkt sich so etwas sogar positiv auf die Komponentenanzahl aus, weil mit weniger Runden auch weniger Ressourcen ins Spiel kommen.
Wie geht es dir mit der Spieldauer? Sind dir kurze oder lange Spiele lieber? Oder würdest du lieber 2 Spiele statt einem langen spielen? Bei welchen Spielen passt die Dauer genau? Lass mir einen Kommentar da. :)
35 - Staatliche Förderungen
35 - Staatliche Förderungen
Brettspieldesigner und Kickstarterersteller sind super hilfreich für so ziemlich jede Frage, die aufkommt. Wozu ich allerdings bis jetzt nichts gelesen habe, sind staatliche Förderungen. Dieses Thema wird viel zu selten besprochen!
Ich weiß, es ist in jedem Land, Bundesstaat oder sogar in einzelnen Städten unterschiedlich, welche Förderungen es gibt. Die Förderungen sind aber unglaublich hilfreich. Dabei geht es um nicht wenig Geld und sie sind dafür da, auch kleinen Firmen oder Firmengründern zu helfen. Nicht nur für große Firmen, die einfach bei jeder Gelegenheit zugreifen.
Photo by Fabian Blank on Unsplash
Zumindest in Österreich gibt es sehr viele unterschiedliche Förderungen, und viele unterschiedliche Organisationen, Vereine oder andere Verbände geben diese Förderungen aus. Es ist aber schwierig, sie zu finden, weil diese Verbände selbst keinen Überblick darüber haben, wer aller Förderungen ausgibt. Viele Leute wissen nichts darüber.
Bitte sprecht das Thema mehr an!
Ich habe Förderungen zur Firmengründung erhalten und auch welche für internationale Werbung. Diese Förderungen stehen natürlich nur in Österreich zur Verfügung, wenn du mehr darüber wissen möchtest, kannst du mir gerne schreiben. Sie haben natürlich umfassende Auflagen und Regelungen, die ich dir gerne erklären kann. Lass dich von den Regelungen nicht abschrecken. Die Ansprechpersonen erklären dir eh, ob sich dein Unternehmen dafür qualifiziert.
Außerdem habe ich noch von einigen Förderungen für Techfirmen und Forschungsunterstützungen in Österreich gehört, die aber auf meine Firma nicht zutreffen, vielleicht ist die Sache jedoch für deine Firma interessant. In Deutschland dürfte es auch Gründungszuschüsse, Forschungsstipendien und Startup-Unterstützungen für Technologiefirmen geben. Üblicherweise haben alle diese Förderungen gemeinsam, dass man ein klares Bild vom Produkt/der Firma haben muss.
Falls du selbst eine Firma gründest oder gegründet hast, schreib mir und ich teile meine Erfahrungen mit dir. Aber auch, wenn du Förderungen in Österreich oder Deutschland oder sonst wo in Anspruch genommen hast, würde ich mich über deine Erfahrungen freuen, denn gerade mit deutschen Designern stehe ich viel in Kontakt und vielleicht sind deine Tipps auch für andere interessant. Vielleicht gibt es ja auch EU-Förderungen, zu denen weiß ich bis jetzt aber noch gar nichts
34 - Testen und Feedback
34 - Testen und Feedback
Wenn man ein Spiel designed, ist viel testen nötig und mit dem Testen kommt viel Feedback. Am schönsten ist natürlich das Feedback, von den Leuten, denen es gut gefallen hat und bei denen das Spiel so richtig gut ankam. Superhilfreich sind konstruktive Vorschläge, die so manchen Makel des Spiels mit kleinen Veränderungen verbessern können. Dann gibt es so große Vorschläge, durch die man im Grunde einfach ein anderes Spiel hätte. Mittlerweile könnte ich durch solche Vorschläge vermutlich 5-10 komplett unterschiedliche Spiele machen. Und dann gibt es leider auch hin und wieder mal jemanden, der sehr unzufrieden mit dem Spiel war. So etwas kann dann auch sehr frustrierend sein. Dazu heute mehr.
Ich habe mittlerweile schon wirklich viel getestet, viel mit Bekannten, aber auch viel mit Fremden. Vor Kurzem erhielt ich ein Feedback von einem unzufriedenen Tester, indem mein Spiel mit "Mensch ärgere Dich nicht" verglichen wurde. Tatsächlich hatte ich diesen Vergleich schon einmal bekommen und ich verstand einfach nicht woher dieser Vergleich kam. Manchen fällt es nunmal nicht so einfach für einen Tester ein Gefühl zu beschreiben das beim Spielen aufkam. Dann beginne ich darüber zu Grübeln woher dieses Feedback kommt. Ich möchte nicht das man bei meinem Spiel an "Mensch ärgere Dich nicht" denkt.
Boardgamegeek
Gut, mein Spiel ist auch ein Rennen und man kann andere Figuren schlagen. Davon abgesehen haben die beiden Spiele keine Gemeinsamkeiten. Das eine ist ein Glückspiel und das andere ein Strategiespiel, wo man praktisch nicht würfeln muss.
Woher kommt also dieser Kommentar in dem Feedback? Es wurde an irgendeiner Stelle auch mal die chaotische Natur des Spiels erwähnt. Und auf einmal habe ich den Vergleich verstanden. Nach meiner Definition ist ein chaotisches Spiel ein Spiel, bei dem viel passiert in der Zeit, in der man nicht am Zug ist und man oft schwer abschätzen kann, was passieren wird. Tatsächlich kann ich mir vorstellen, dass sich so etwas für manche dann anfühlt wie ein Glücksspiel, auch wenn es keines ist. Tatsächlich kann man sich in Magical Friends überlegen, wie man mit unterschiedlichen Interaktionen möglichst sicher zum Ziel kommt, genauso wie man versuchen kann, mit Tricks den Gegner doch zu schlagen. Es gibt nur sehr viele Möglichkeiten und dadurch wird es schwierig die Spielzüge der Gegner vorauszusehen. In den meisten Tests waren es genau diese Interaktionen, die richtig erstaunliche Spielzüge hervorbrachten.
Diese Formulierung, also das Chaos, das sich anfühlen kann, wie die Willkür bei einem Glückspiel, wurde mir auch bestätigt und auf einmal war das Feedback (und auch jenes, dass ich vor einiger Zeit bekommen habe), viel leichter zu nehmen. Das Chaos ist, wie bei vielen tollen Spielen, ein zentraler Teil des Spiels. Bei manchen kommt es tatsächlich durch Würfel oder Karten zustande, bei anderen sind es vor allem die vielen Optionen der Gegenspieler, die es chaotisch machen. Wie zum Beispiel bei Spielen wie Robo Rally, Smallworld oder Millennium Blades.
Boardgamegeek.com
Natürlich wird das Spiel besser, wenn das Maß an Chaos gut passt, aber dafür testet man ja und dem Großteil der Tester gefällt genau das am Spiel. Und somit liegt die Frustration dieses Testers nicht unbedingt bei einem Makel des Spiels, sondern der Stil des Spiels trifft einfach nur nicht den Geschmack des Spielers und das passt!
Üblicherweise spielt man Spiele, über die man sich vorher gut informieren kann, oder man wird von Freunden dazu eingeladen, die wissen was zu einem passt. Beim Testen eines Spiels, das es noch nicht auf dem Markt gibt, wird man aber ins kalte Wasser geworfen und es kann leicht passieren, das ein Spiel nicht den Geschmack des Testers trifft. Das ist zwar schade, aber das passiert. Gerade als Designer darf man sich das nicht zu sehr zu Herzen nehmen.
Im Brettspielhobbie gibt es eine riesige Anzahl an Spielen. Immer wieder sieht man so 3x3 Challenges, wo Spieler Bilder ihrer 9 liebsten Spiele zeigen. Ich habe schon Unmengen solcher Collagen gesehen und es mir noch nie eine untergekommen, bei der ich mir dachte, diese Spiele gehören alle zu meinen Lieblingsspielen. Sogar wenn ich den Eindruck hatte, dass jemand einen sehr ähnlichen Geschmack hat wie ich, waren es nie mehr als 5 Spiele die sich überschnitten. Das klingt im ersten Moment Schade, aber selbst bei Spielern, bei denen ich den Eindruck hatte, die haben einen ganz anderen Geschmack, habe ich auch immer 1-2 Spiele gefunden, die ich richtig gerne spiele. Gerade das ist das Wunderschöne an diesem Hobby. Wenn man sich mit Spielen auseinandersetzt, findet man für fast jede Gruppe ein Spiel, das allen gut gefällt und womit man eine schöne Zeit verbringen kann.
Gibt es eine Art von Spielen, ein Genre oder Mechaniken, die du gar nicht magst oder besonder gern hast? Lass mir einen Kommentar da.
