Klemens Luger Klemens Luger

30 - Wenn man mehrere Prototypen fertigstellt...

30 - Wenn man mehrere Prototypen fertigstellt...

... ist man erst mal einige Zeit beschäftigt. Mein Set an Reviewprototypen nahm mich die letzten 3 Wochen sehr ein. Und sie mussten wirklich fertig werden, denn die 12 m² Karton und 14 m² Papier haben ziemlich viel Platz meiner Wohnung belegt.

Kreaturenaufsteller und Farbherzen für 3 Spiele

Mattlack für die Boxen, damit sie nicht so wasseranfällig sind

Schachteln trocknen und warten darauf, befüllt zu werden

Komponenten, bereit für die Schachteln

Hätte ich sie nicht selbst gemacht, sondern über meinen Hersteller, hätten mich 10 solcher Prototypen 2000-3000€ gekostet. Außerdem hätte ich vermutlich auch 2-2,5 Monate auf die Prototypen gewartet. Außerdem hätte ich die Arbeit meiner Illustratoren unterbrechen müssen, um ein paar Grafiken für den Druck anzupassen. Alles für Prototypen, bei denen viele Grafiken noch nicht in Farbe sind.
Prototypen beim Hersteller sind nicht immer so teuer, aber mein Spiel ist abgesehen davon, das ich keine Miniaturen oder andere komplexere Plastikkonstruktionen habe, ganz schön aufwendig und auch nicht klein. Je Spiel haben mich die Ressourcen etwa 55€ gekostet und insgesamt habe ich dabei 650 Einzelteile verarbeitet (Karton, Karten, Papier, Aufkleber, Kartenhüllen...).

Der fertige Spieleberg

Zwar brauchen sie immer noch viel Platz, aber sie fertig zu sehen, ist schon ein erleichterndes Gefühl. Nun gehts daran, sie zu verschicken. Ich bin gespannt, wie es weiter geht.

Hast du noch Fragen zum Basteln? Lass einfach einen Kommentar da, ich freu mich!

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29 - Wenn der Prototyp hübsch geworden ist ... (fertig)

29 - Wenn der Prototyp hübsch geworden ist ... (fertig)

... würde man ihn am liebsten sofort allen Leuten zeigen! Ich meine wirklich auf allen Kanälen! Aber trotzdem ist noch etwas Geduld gefordert. Es wäre schade, schlechte Fotos online zu stellen, obwohl man eine Woche später richtig gute haben wird.

Für Fotos hab ich mir dann einen Freund mit guter Kamera und professionelle Beleuchtung ausgeliehen. Die Zeit, die man dafür braucht, darf man dabei nicht unterschätzen. Für etwa 45 schöne Fotos (nach der Aussortierung), die ein gutes Bild vom Spiel, der Spielatmosphäre und den Komponenten zeigen, haben wir schon einen ganzen Tag gebraucht.

Je nach Komponenten oder Spielaufbau haben wir Tisch und Beleuchtung x-mal umgestellt. Es schadet nicht, sich davor einen Plan anzulegen, welche Komponenten man aus welchem Blickwinkel sehen möchte, und die Reihenfolge der Fotos anhand der Blickwinkel zu erstellen. Das Spielbrett ständig schön auf- und abzubauen, würde sehr viel Zeit verschwenden.

Auch wenn alles selbst gemacht ist, darf man die Kosten und den Aufwand nicht unterschätzen. Ich habe etwa 55 € für Rohstoffe benötigt (2/3 waren allerdings dem Copyshop zuzuschreiben). Die Zeit, die ich zum Basteln benötigt habe: etwa 3 Tage. Daran waren allerdings vor allem die Trocknungszeiten des Sprühklebers schuld. Mit Buchbinderleim geht das Verkleben deutlich schneller.

Solltest du noch offene Fragen haben, nur her damit. Ich freu mich natürlich auch über sonstiges Feedback. Das war es erst mal zum Prototyp.

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28 - Wenn der Prototyp hübsch werden soll ... (Teil 5, Pappmarker/Token/Standee)

28 - Wenn der Prototyp hübsch werden soll ... (Teil 5, Pappmarker/Token/Standee)

Bei meinen Kartonteilen wirds mit herkömmlichem Werkzeug vermutlich schon sehr schwierig. Denn die Formen meiner Token sind etwas komplizierter als gewöhnliche Rechtecke.

Wie du bereits sehen kannst, diese Formen sind mit dem Messer schon schwieriger aus dem Karton zu schneiden. Zumindest, wenn sie danach auch noch hübsch aussehen sollen.

Der Druck für diese Pappteile ist leider nicht so schön, ich habe dafür meinen eigenen Drucker und Stickerpapier verwendet, aber für den Prototyp reichts.

Sowohl die Pappteile als auch die Sticker hab ich mit dem Lasercutter ausgeschnitten. Dementsprechend sind Bleed und Margin auch hier wichtig. Gerade bei diesen Formen sind Bleed und Margin etwas schwieriger, deshalb haben wir uns zu einem Farbübergang entschieden, der auch etwas verschoben noch gut aussieht. Auch wenn der Laser sehr genau arbeitet, ich muss ihn dennoch manuell ausrichten und da merkt man jede Ungenauigkeit.

Die Sticker hab ich dann einfach auf den Karton aufgeklebt. Ja, das ist mühselig und dauert eine Weile, also am besten irgendeine Serie im Hintergrund ansehen. Aber es ist dann doch relativ genau und sieht verhältnismäßig gut aus.


2-mm-Karton ist gar nicht so leicht zu handhaben, da hilft ein Laser ungemein. Hast du noch andere Möglichkeiten im Kopf, wie man so was mit vertretbarem Aufwand hinbekommt? Ich bin für Ideen offen.

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27 - Wenn der Prototyp hübsch werden soll ... (Teil 4, Spielplan)

27 - Wenn der Prototyp hübsch werden soll ... (Teil 4, Spielplan)

Es gibt sicher einige Möglichkeiten, wie man den Spielplan ausdrucken und bekleben kann. Aus irgendeinem Grund wollte ich das mit 4 Teilen machen, sodass auch jede Kante überklebt und dadurch stabiler wird.

Wenn du es so machst wie ich, musst du dir gut überlegen, an welcher Stelle und in welche Richtung der Spielplan gefaltet wird. An den Kanten, an denen die Spielplanteile verbunden werden, habe ich die Lasche verlängert, um etwas mehr Klebefläche zu haben. Beim Teilen des Bildes musste ich auch gut aufpassen, dass die Bilder an den Kanten schön ineinander übergehen. Der Bildausschnitt sollte immer etwas über die Kante hinausreichen (ich habe dafür 1-2 mm genommen). Sollte man es nämlich nicht schaffen, den Bildausschnitt komplett genau aufzukleben, wird man weiße Ränder sehen und das ist nicht besonders hübsch.
Soweit ich das mitbekommen habe, ist die Aufbereitung für die tatsächliche Produktion viel einfacher.

Die Seiten habe ich wieder mit Sprühkleber besprüht und den ersten Karton sauber aufgeklebt. Danach den nächsten Karton an die richtige Kante angelegt, auch festgeklebt und auch erst mal trocknen lassen. Dann mit dem nächsten Ausdruck überklebt. Auch hier habe ich für weitere Prototypen Buchbinderleim verwendet und die Verarbeitung und das Ergebnis war viel besser.

Auf der Rückseite habe ich den Spielplan noch mit Bucheinbandfolie verklebt. Zum einen, um die Faltkanten zu verstärken, und zum anderen auch für die Kante, die in die andere Richtung gefaltet wird. Ansonsten würde der Spielplan ja noch nicht zusammenhalten.
Wichtig ist dabei, die Kanten korrekt zu verkleben, wenn eine Stelle gefaltet werden soll, muss auch über die Falz geklebt werden (Bild 3).

Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Beim genauen Hinsehen merkt man schon, dass der Spielplan handgemacht ist, aber er sieht gut aus, ist stabil und fühlt sich nicht schlecht an. Man erhält einen verlässlichen Eindruck vom Material und das war ja auch das Ziel.

Bestimmt fallen dir noch weitere Möglichkeiten ein, wie man so einen Spielplan basteln kann, ich freu mich über Ideen in den Kommentaren. Im nächsten Beitrag gehts um die Pappmarker/Token, die normalerweise gestanzt werden

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26 - Wenn der Prototyp hübsch werden soll ... (Teil 3, Schachtel)

26 - Wenn der Prototyp hübsch werden soll ... (Teil 3, Schachtel)

Eine schöne Box zu basteln, ist schon deutlich schwieriger, als Spielkarten auszuschneiden. Aber wenn man sie dann endlich in der Hand hält, ist das einfach in tolles Gefühl.

Üblicherweise wird für die Schachtel ein Karton mit dem bedruckten Papier verklebt. Wie bereits im ersten Teil der Reihe erwähnt, habe ich dafür 160-g-Posterpapier verwendet. Ein etwas festeres Papier ist wichtig, da Ecken nur durch das verklebte Papier zusammengehalten werden.
Der Deckel sollte entsprechend größer als der Boden sein. Bei 2-mm-Karton + 160-g-Papier habe ich meiner Deckelfläche insgesamt 7 mm hinzugefügt.

Ich verwende Graupappe (2 mm). Zugeschnitten habe ich den Karton mit dem Lasercutter einer offenen Werkstatt in Salzburg. Dabei habe ich an den Faltkanten etwas Material freigraviert, um die Pappe um 90° zu knicken. Mir ist natürlich bewusst, dass nicht jeder einen Lasercutter zur Verfügung hat. Der Karton lässt sich auch mit einem scharfen Messer schneiden. Die Schachtelflügel können ebenfalls freigeschnitten und verklebt werden. Das Papier hält auch die Flügel zusammen.

Die Rückseite des Coverpapiers habe ich mit Sprühkleber besprüht, den Karton mittig aufgelegt und fest angedrückt. Zur Orientierung habe ich die Ecken des Kartons genommen. Dabei sollte man vorsichtig sein, denn es sollen noch nicht alle Flügel mit dem verklebenden Papier in Berührung kommen. Erst sollten die Seitenteile festgedrückt werden, an denen die Klebeflügel für die Schachtelecken angebracht sind. Diese Klebeflügel sollten nämlich an die anderen Seitenteile in 90° angeklebt werden, bevor sie mit der äußeren Papierschicht verklebt werden. Anschließend sollten die Seiten gut zum Trocknen gepresst werden.

Ich bin zwar mit dem Ergebnis der Box sehr zufrieden, allerdings ist der Sprühkleber nicht gerade angenehm zu nutzen. Man muss aufpassen, dass keine Kleberspuren auf dem Druck landen, und er braucht auch sehr lange, um zu trocknen. Sprühkleber ist leider auch nicht optimal für die Nutzung während der Wintermonate, denn er sollte nicht in zu kalter Umgebung verwendet werden. Für die restlichen 8 Prototypen, die ich zum Versenden gebastelt habe, habe ich Buchbinderleim verwendet. Mit dem Buchbinderleim war das Verkleben viel angenehmer und auch das Ergebnis wurde viel besser. Einmal fest zusammendrücken und die Verklebung hält sehr schnell sehr gut. Solltet ihr auch mal eure eigenen Boxen basteln, würde ich auf jeden Fall Buchbinderleim empfehlen!

Mein spezielles Inlay für die Pappaufsteller habe ich auch wie die Box gemacht, allerdings zusätzlich noch mal im Lasercutter graviert und geschnitten. Ich befürchte, das wird ohne nicht so leicht gehen. Aber so ein Inlay braucht auch nicht jeder. Ich habe dies deshalb nicht zuvor bedruckt und geschnitten, da ich anders den Druck nicht sauber mit dem Ausschnitt ausrichten konnte.

Achtung bei der Box, zumindest mein Druck ist nicht sehr beständig gegenüber Wasser. Ein Tropfen reicht schon aus, um die Farbe zum Verlaufen zu bringen. Ich habe noch einen dünnen Film klaren Mattlack über die Box gesprayt, um nicht gleich bei jedem Spritzer Wasser das Artwork zu vermasseln.

Es gibt bestimmt die verschiedensten Möglichkeiten, wie man sich solche Schachteln bastelt, selbst wenn man genau diese Materialien verwenden möchte. Ich bin gerne offen für Tipps und Verbesserungsvorschläge. Hinterlasse mir einfach einen Kommentar.

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25 - Wenn der Prototyp hübsch werden soll ... (Teil 2, Karten)

25 - Wenn der Prototyp hübsch werden soll ... (Teil 2, Karten)

Spielkarten sehen auch handgemacht sehr schnell professionell aus. Da steckt nicht viel dahinter. Am ehesten würde man wohl eine schlechte Druckqualität und zu dünnes Papier bemerken. Deshalb bei mir auch der Weg zum Copyshop.

Bei meinen Karten habe ich nur auf die Rückseite einen Bleed hinzugefügt, da ich sie von der Vorderseite ohnehin per Hand ausschneide. Dadurch ist auch die Vorderseite schön zentriert. Sollte es in deinem Spiel wichtig sein, dass die Kartenrücken nicht zu unterscheiden sind, würde ich es unbedingt umgekehrt machen.

Nicht vergessen, die Kartenrücken richtig zu drehen!

Wie schon erwähnt, habe ich die Karten per Hand ausgeschnitten. Egal, ob mit Schere oder Messer, es sollte scharf sein. Zumindest bei meinem Papier und Druck kann es sein, dass ansonsten an den Kanten teilweise die Farbe bricht, das sieht dann nicht schön aus.
Für die Ecken habe ich einen Eckenrunder. Die Rundungen werden dadurch viel schöner. So ein Eckenrunder kostet nicht viel. (Ich würde mir aber dasselbe Modell nicht noch mal kaufen)

Normalerweise würden solche Karten außerdem eine Beschichtung bekommen. Ein Finish, um die Farbe zu fixieren und teilweise auch Effekte hinzuzufügen. Ich gebe stattdessen meine Karten einfach in Kartenhüllen. Ein fehlendes Finish fällt dadurch nicht auf, zusätzlich hält der Prototyp länger.

Für die Aufbewahrung der Karten habe ich einfache Schachteln gebastelt. Dafür reicht A4-Papier (200g) und der eigene Drucker für die Vorlagen. Solche Schachteln sind sehr praktisch zur Aufbewahrung von Karten, da darin sowohl Karten ohne Hüllen als auch Karten mit Hüllen gut aufbewahrt werden können.
Dieses Muster hat sehr gut für mich funktioniert.

Hast du schon mal Spielkarten selbst gemacht und Erfahrungen, die du teilen möchtest? Ich freu mich über deinen Kommentar.

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24 - Wenn der Prototyp hübsch werden soll ... (Teil 1, Copyshop)

24 - Wenn der Prototyp hübsch werden soll ... (Teil 1, Copyshop)

... lässt man ihn am besten von jemand anderem machen! Allerdings wird das schwierig, wenn man sehr viele spezielle Komponenten hat. Deshalb habe ich alles selbst gemacht. Der Aufwand ist allerdings sehr hoch und mein Weg ist sicher nicht ideal. Ich werde so gut es geht erklären, wie ich meinen Reviewprototyp selbst bastle. Dabei gibt es sicher einige Schritte, die man besser lösen kann. Da ich noch einige vor mir habe, freue ich mich sehr über kreative Vorschläge dazu, was ich vielleicht besser oder einfacher machen kann, ohne dabei Qualität zu verlieren oder deutlich mehr Aufwand zu haben.

Der erste Weg führt mich zum Copyshop.

Spielkarten lassen sich noch am besten am eigenen Drucker ausdrucken. Da die Farbqualität meines eigenen Druckers nicht so großartig ist, hab ich sie im Copyshop drucken lassen. Für Karten würde ich 300-g- oder 350-g-Papier nutzen, da dies generell auch der üblichen Papierstärke entspricht. Die Stärke ist nicht das Einzige, was für Spielkarten relevant ist, aber für einen schönen Prototyp sollte es auf jeden Fall ausreichen.

Die Spielerhilfen wurden auch auf 350-g-Papier gedruckt. Auch wenn es nur Informationsblätter sind, fühlen sie sich einfach besser an. Für eine finale Version würde ich aber dennoch robusteres Material nehmen, das sich nicht so leicht wölbt.

Die Spielregeln zu drucken, ist deutlich komplizierter, als man sich denken würde. Eigentlich sollten meine Spielregeln fast so groß werden wie die Brettspielbox selbst. Das wäre aber in diesem Copyshop nicht möglich gewesen. Für die Spielregeln ist ein beidseitiger Druck nötig und da jedes gedruckte Blatt 2 Seiten entspricht, braucht man ein relativ großes Format. Wenn ich also Spielregeln in einer Größe von 280 mm x 280 mm möchte, wäre der Ausdruck 280 mm x 560 mm. Was größer ist als A3. Die Regeln als Broschüre zusammenheften, ist im Copyshop wirklich günstig, und es sieht gleich mal hübsch aus. Papier habe ich hier 140 g genommen.

Für alle größeren Ausdrucke, die ich zum Bekleben von Karton benötige, habe ich Posterpapier mit einer Stärke von 160 g bedrucken lassen. Je nach Größe eures Spiels geht das vielleicht auch ohne Posterdruck. Viele meiner Grafiken sind allerdings größer als A3 und mussten deshalb per Poster gedruckt werden. Das Boxcover für eine Schachtel im Format 300 mm x 300 mm x 100 mm benötigt einen Ausdruck von etwa 550 mm x 550 mm Fläche.
In einer finalen Version des Spiels wäre der Karton der Schachtel auch mit 160-g-Papier bezogen. Es ist auf jeden Fall wichtig, dass dieses Papier nicht zu dünn ist. Denn die Ecken so einer Schachtel werden nicht vom 2 mm dicken Karton zusammengehalten, sondern nur vom Papier selbst und das sollte deshalb nicht leicht reißen.

Auch wenn viele Illustrationen und Details noch nicht fertig sind, es ist ein tolles Gefühl, Ausdrucke in schöner Qualität vor sich liegen zu haben. Mit diesem Stand der Grafiken erhält man einen ausgezeichneten Eindruck vom Spiel und man kann sich vorstellen, in welche Richtung sich Grafiken entwickeln.

In den nächsten Wochen werde ich noch berichten, wie es mit den Ausdrucken weitergeht. Bei den einzelnen Komponenten gehe ich dabei natürlich etwas genauer ins Detail.
Falls du Fragen zum Druck hast, hinterlasse mir einen Kommentar. Ich freue mich natürlich auch sehr über Feedback und Verbesserungsvorschläge.

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20 - Der Prototyp und die Anleitung

20 - Der Prototyp und die Anleitung

Auch wenn sie nach den ersten paar Spielen meist keine Beachtung mehr findet, ist die Anleitung ein extrem wichtiger Teil eines Spiels.

Leider auch ein Teil, der sehr viel Aufwand mit sich bringt, vor allem, wenn man nicht so gerne schreibt ... und man das Spiel dann auch auf 2 Sprachen veröffentlichen möchte.

Je früher man eine sinnvolle Anleitung niedergeschrieben hat, desto besser. Zum einen kann das Spiel dann ohne persönliche Erklärung getestet werden und zum anderen muss nicht nur das Spiel getestet werden, sondern auch die Regeln. Werden die Regeln nicht richtig interpretiert, wird das Spiel falsch gespielt und auch ein Spieletest ist nur noch bedingt wertvoll.

Eine schriftliche Anleitung ist dann oft deutlich länger als die übliche mündliche Regelerklärung. Denn die Rückfragen, die man beim Erklären oft einfach mit einem „ja“ oder „nein“ beantwortet, müssen auch in der Anleitung geklärt werden.

Im Internet gibt es einige nützliche Tipps, wie man Regelwerke für Brettspiele verfasst, es schadet bestimmt nicht, diese mal durchzusehen.

Sinnvoll ist es auf jeden Fall, sich Anleitungen von Spielen anzusehen, bei denen man selbst das Gefühl hat, das die Regeln gut erklärt sind. Aber auch die Regeln von einfach sehr bekannten Spielen durchzugehen, ist nicht so schlecht. Man findet dabei einen üblichen Regelaufbau, an den Brettspieler bereits gewöhnt sind.

Außerdem ist es gut, sich bei der Regelstruktur Gedanken zu machen, in welcher Reihenfolge man das Spiel am besten erklären könnte. Manchmal ist es vorteilhaft, bestimmte Regeln zu wiederholen. Beispielsweise schadet es nicht, bereits früh zu wissen, was denn eigentlich das Ziel des Spiels ist, gleichzeitig ist es aber auch sinnvoll, es bei der Endwertung am Ende der Regeln erneut zu erwähnen.

Nach den ersten Spielen wird die Anleitung eigentlich nur noch zum Nachschlagen verwendet. Findet man die Informationen leicht? Können alle Fragen beantwortet werden?

Diese Fragen können mir oft nur die Tester beantworten.
Da das alles nicht so einfach ist, ist es auch schwierig, an einen Punkt zu kommen, wo man sagen kann: Okay, die Version der Regeln ist jetzt gut/hübsch genug, um sie auch zur Verfügung zu stellen. Zu viele Fehler bedeuten, dass die Regeln nicht sehr nützlich sind und bei den Testern Frust auslösen. Aber ohne Tester wird man viele Fehler oder Verbesserungsmöglichkeiten gar nicht finden. Und ab wann lässt man das Ganze von einem Lektor überprüfen? Es wird viele Versionen der Anleitung geben.

Die Anleitung von Magical Friends hat schon viele Überarbeitungen hinter sich, aber jetzt kann man sie auch mal online einsehen. Auf der Landingpage kannst du das PDF davon herunterladen, wenn du möchtest. Ich freu mich sehr über Feedback, ich warne dich aber schon mal vor, es wird vermutlich noch viele Anpassungen geben, bevor sie zu einem Lektor kommt, auch viele Bilder werden natürlich noch ausgetauscht.

Arbeitest du auch an einem Regelwerk? Auf welche Probleme bist du gestoßen? Falls du dir die Regeln anschaust, dein Feedback hilft mir sicher, die Regeln zu verbessern. Jeder Tipp ist toll!

Update: Nun wo das Spiel Veröffentlicht ist: Ist die Anleitung auf jeden Fall das wichtigste. was ich bei einer zweiten Auflage verbessern möchte. ;-)

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10 - Wie man unnötigen Aufwand beim ersten Prototypen verhindern kann (Teil 3)

Im dritten Teil zum Prototypen geht es um die Tester:

Überall liest man, dass ein Prototyp billig sein soll. So ein Prototyp soll schnell verwerfbar sein, falls er nicht funktioniert. Er soll nicht aufwendig sein, wenn man etwas verändern möchte. Man wird ständig Dinge austauschen und verbessern. Außerdem soll man Mechaniken nach und nach hinzufügen. Weiters möchte man seine Tester nicht quälen, es wäre also gut, wenn das Spiel schon einigermaßen funktioniert, wenn man Tester einlädt.

Wenn du gerne hättest, dass deine Tester sich ein Spiel mehr als einmal ansehen, ist es gut, wenn das Spiel schon halbwegs funktioniert und bereits an einigen Stellen Spaß aufgebaut wird. Deshalb ist es von Vorteil, ihn vorher schon ein paarmal mit einem besonders enthusiastischen Freund oder einer besonders enthusiastischen Freundin auszuprobieren. Dabei ist allerdings auch zu beachten, dass zwar ein 2-Spieler-Spiel einfach zu zweit testbar ist, aber Spiele für mehr Spieler teilweise nur sehr schlecht zu zweit gespielt werden können.

Für dein Brettspiel wirst du sehr viele Testrunden benötigen (sehr simple Spiele können hier eine Ausnahme sein) und da du meist mehrere Mitspieler benötigen wirst, heißt das, dass du auch entsprechend viele Tester brauchst. Deshalb ist es gut, deine Spieler bei Laune zu halten, damit sie es öfter ausprobieren wollen. Du wirst ein paar Freunde haben, denen dein Spiel sehr gut gefällt und die gerne mehrere Versionen davon spielen wollen. Bei Brettspielen gibt es allerdings sehr unterschiedliche Geschmäcker, nicht jeder Spieler mag jede Art von Spielmechanik oder Genre. Das heißt nicht, dass deine Freunde dir nicht trotzdem gerne beim Testen helfen wollen. Deshalb wechsle deine Tester durch und schau, dass du bis zum nächsten Test schon einige Verbesserungen vorgenommen hast, damit deine Tester auch Fortschritte miterleben.

Die Spieldauer macht auch einiges aus bei der Testmotivation. Ein Spiel, das in weniger als einer Stunde abgeschlossen ist, ist sehr viel einfacher auf den Tisch zu bringen als eines, das länger dauert. Auch ist die Frustration über noch nicht so ausgefeilte Inhalte des Spiels nicht so groß wie bei einem Spiel, das 2 bis 3 Stunden dauert. Gerade, wenn ein Spiel länger dauert und es nicht gut läuft, ist es oft besser, das Spiel abzubrechen. Das Feedback reicht meistens schon aus, um zu sehen, welche Probleme aufgetreten sind.

Es ist natürlich besonders wichtig, das Spiel auch bald mit Fremden und/oder auch blind (ohne deine Mithilfe) zu testen. Die Spieler spielen anhand der Anleitung und sollten möglichst ohne externe Hilfe ein Spiel abschließen können. Ich finde aber, bevor man ein Spiel an Fremde oder das Spiel zum Blindtesten gibt, sollte der Prototyp schon einige Testrunden durchgemacht und eine gewisse Qualität erreicht haben. Gerade in diesen Settings kann besonders hilfreiches Feedback gewonnen, aber auch besonders viel Frust erzeugt werden.

Um ein Prototyp auch online zu testen (wo man auch durchaus leicht Leute von weit entfernt zum testen findet). Gibt es Plattformen wie Tabletop Simulator oder Tabletopia.

Mein Spiel steht am Tabletop-Simulator auf Deutsch und auf Englisch zur Verfügung. Wenn du Magical Friends ausprobieren möchtest brauchst du eigentlich nur Freunde mit dem Tabletop-Simulator und kannst direkt über den Steamworkshop darauf zugreifen.Steam Workshop link. Du wirst beim Starten informiert das im Spiel ein Link aufgerufen wird. Darüber könnte man einen Feedback Bogen ausfüllen.

Eine Frühe Version sah am Tabletop Simulator so aus. Die Neue sieht fast aus wie das richtige Spiel.

Gibt es noch Erfahrungen, die du mit uns teilen möchtest? Hinterlasse uns einen Kommentar!

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9 - Wie man unnötigen Aufwand beim ersten Prototypen verhindern kann (Teil 2)

Heute geht es dort weiter, wo ich zuletzt aufgehört habe:

Überall liest man, dass ein Prototyp billig sein soll. So ein Prototyp soll schnell verwerfbar sein, falls er nicht funktioniert. Er soll nicht aufwendig sein, wenn man etwas verändern möchte. Man wird ständig Dinge austauschen und verbessern. Außerdem soll man Mechaniken nach und nach hinzufügen. Weiters möchte man seine Tester nicht quälen, es wäre also gut, wenn das Spiel schon einigermaßen funktioniert, wenn man Tester einlädt.

Zum Thema „Mechaniken nur nach und nach hinzuzufügen“ kann man einiges sagen. Generell ist es immer leichter, ein Spiel nach und nach komplexer zu gestalten und einen Kniff hier oder da hinzuzufügen, es aber an Stellen simpler zu machen, ist deutlich schwieriger. Wenn ein Spiel leicht zu lernen, aber schwer zu meistern ist, hat man auf jeden Fall etwas gut gemacht. So etwas anzustreben, ist nie verkehrt. Nachträglich etwas zu vereinfachen, bedeutet aber oft, dass man etwas verliert, wofür eine bestimmte Regel eingeführt wurde. Meistens taucht dann ein Problem wieder auf, das man damit gelöst hatte. Elegantere Lösungen sind überwiegend die, in denen man eine Mechanik durch eine schönere austauscht, in der dieses Problem gar nicht erst auftaucht. Das ist aber gar nicht so leicht, da man sich dafür als Designer erst mal von seiner ursprünglichen Idee loslösen muss. Also besser mit einem Minimum an Mechaniken beginnen und danach hinzufügen, was sich gut anfühlt.

Was bedeutet ein Minimum an Mechaniken? Unterschiedliche Spieltypen bedienen sich mehr oder weniger Mechaniken. Partyspiele oder kurze Kartenspiele bauen meist auf eine einzelne Mechanik auf. Dafür einen schnell verwerfbaren Prototypen zu erstellen, ist sehr angenehm und leicht. Schwieriger werden allerdings größere Spiele, Ideen, bei denen es mehrere Spielphasen gibt oder in denen man Mechaniken verknüpfen möchte. Beispielsweise wird in Magical Friends die Zugreihenfolge und die Kreaturenauswahl über eine Art Bietmechanik gelöst und das Spiel auf dem Spielbrett bedient sich einer anderen einfachen Mechanik.

Dabei hilft es sehr, wenn es Mechaniken sind, die man schon aus anderen Spielen kennt. Bietmechaniken gibt es in vielen Spielen, daran kann man schon vor dem Testen erkennen, welche Interaktionen bei der Mechanik besser und welche schlechter funktionieren könnten. Neue Mechaniken sind schwieriger. In dem Fall ist es hilfreich, wieder sehr simpel zu beginnen und sie nach und nach auszufeilen.

Gerade, wenn man ein größeres Spiel machen möchte, ist es sehr zu empfehlen, wenn man schon einige beliebte Spiele des entsprechenden Genres gespielt hat. Die Wertungen auf Boardgamegeek.com müssen nicht unbedingt den eigenen entsprechen, schaut man sich dort allerdings die Top 10 Spiele eines Genres an, wird man selbst, wenn einem die Spiele teilweise nicht so gut gefallen, einige tolle Umsetzungen von bestimmten Mechaniken finden. Es gibt Gründe, warum diese Spiele so beliebt sind. Versuche, sie zu finden, und überlege, ob sie für dein Spiel relevant sein könnten.

Nächste Woche werde ich dieses Thema fortsetzen, schreib mir einen Kommentar, wenn du dem Ganzen etwas hinzufügen möchtest. Ich und die anderen Leser freuen uns darüber.

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